Eveline war mit einer Herzensfreundin unterwegs. Sie gingen an diesem Tag nicht durch eine Kathedrale, nicht durch eine Stadt, sondern durch etwas, das viel grösser und stiller war: den Wald.
Die Sonne blitzte durch das Blätterdach, mal wie ein Lächeln, mal wie ein kichernder Strahl, der unbedingt auf ihrer Nase landen wollte.
Sie setzten sich auf ein kleines Bänklein. Vor ihnen, ein Tennisplatz, fast leer, fast absurd. Eine weisse Linie auf brauner Erde, mitten in dieser Pracht der Natur. Sie grinsten.
„Schau“, sagte Eveline, „da versuchen Menschen, den Ball im Spiel zu halten. Und hier im Wald, spielt das ganze Universum.“
Ihre Freundin lachte. Ein warmes, glockenhelles Lachen, das mehr Licht hatte als jeder Sonnenstrahl.
Dann wurde sie still. Ihre blauen Augen schauten hinaus nicht auf den Tennisplatz, nicht auf das „Spiel“ der Menschen, sondern auf das Spiel der Blätter im Wind.
Sie schaute, die Schönheit des Waldes an, so wie nur sie es kann. So voller Liebe für die Wunder der Natur.
Eveline nickte, auch ohne Worte verstand sie, was ihre Freundin sah: die stille Sprache der Natur, die direkt ins Herz spricht und kräftigend wirkt, als würde jeder Windhauch neues Leben schenken.
Und plötzlich wurde Eveline bewusst: Ihre Freundin war wie eine Übersetzerin der Natur. Sie sah, sie spürte, sie erinnerte Eveline daran, wie schön die Welt wirklich ist. Nicht in grossen Gesten, sondern in dem kleinen, heiligen „Da-Sein“ und Gewahrsein. Der Wind auf der Haut. Die Wärme der Sonne. Das Funkeln eines Auges.
Für Evelines Freundin ist Natur nicht Hintergrund. Für sie ist sie Präsenz. Eine Umarmung des Lebens.
Ihre Freundin lachte und sagte: „Die Natur ist so schön, dass ich einfach nur schauen, schauen, schauen kann und alles aufsaugen… bis ich fast platze vor lauter Schönheit – so übervoll macht sie mich und so glücklich.
Eveline dachte: „Ich verliere mich manchmal in meinen inneren Welten, in Sternen und Portalen. Und sie… sie bringt mich zurück. Auf die Erde. In die Schönheit. In diesen Atem.“
St. Germain trat aus dem Schatten einer Buche hervor, elegant wie immer, aber mit verschmitztem Grinsen:
„Meine Liebste, manchmal braucht es keine Meditation, keine Kristalle, keine Portale. Manchmal braucht es nur die Augen einer Freundin – die dich erinnern, dass die Natur längst das grösste Wunder ist.“
Eveline lächelte, legte ihre Hand auf den Arm ihrer Freundin und sagte:
„Heute sehe ich mit deinen Augen. Und die Welt ist wunderschön. Ich danke dir von Herzen, dass du mich immer wieder daran erinnerst. “ 🌞
Später schrieb Eveline in ihr Tagebuch: „Ihre Augen öffnen mir die Natur neu, ich sehe durch ihr Staunen. Ihre Freude erinnert mich daran, dass Glück manchmal einfach darin lieg, den Wald anzuschauen, bis man fast verrückt wird vor lauter Leben.“
